In meinem Unternehmen arbeiten wir viel mit der Studentenorganisation Aiesec zusammen, die Praktikanten aus dem Ausland vermittelt. Das Jahresmotto vor einigen Jahren war „Aiesec facilitates personal development“. In der Praxis hieß dies: Immer derjenige bekommt den Job, der ihn noch nicht kann, denn der lernt am meisten. Die Ergebnisse waren von schwankender Qualität. Auch wenn es uns manch einmal bekümmert, dieses Vorgehen unterstützt Menschen beim Wachstum. Und an manchen Tagen wünsche ich mir mehr von diesem Geist in meinem Unternehmen.

Diesen Geist spüre ich destilliert bei Toastmasters. Wir halten Reden unter panischer Angst, übernehmen Rollen, die wir uns nicht zutrauen. Und wir wachsen. Nach einiger Zeit entdecken wir es an uns und andern: Unsere Reden werden flüssiger, auch die Moderation des Abends gelingt elegant. Wir können unsere Mimik und Gestik schleifen und trauen uns, Emotionen zu zeigen und zu vermitteln – wo wir vorher unsere Angst nicht zeigen wollten.
Zeit für eine neue Aufgabe, die wir noch nicht können: Andere Menschen um Hilfe bitten, damit wir schneller lernen. Und auch andere Menschen anleiten und bei Ihrer Entwicklung unterstützen. Zu diesen beiden Schritten möchte ich euch überreden.

Hilfe anzunehmen macht uns erfolgreich und zu einem guten Mitarbeiter, Menschen anzuleiten und bei Ihrer Entwicklung zu unterstützen, zu einem guten Vorgesetzten. Bei Toastmasters finden wir ein Übungsfeld für diese Aufgaben – bevor wir unsere Vorgesetzen oder Mitarbeiter quälen. In letztem habe ich intensive und schmerzhafte Erfahrungen gesammelt 🙂

Darin liegt auch das Hauptziel für Mentoren: Führungskompetenz wird aufgebaut. Außerdem dient es der Vernetzung der Mitglieder. Zum Start der Toastmaster-Karriere hilft der Mentor dem Mentee Hemmungen abzubauen und den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Die Redequalität wird verbessert und später sollen Redepfade erfolgreich abgeschlossen werden. Aus der „Einführung ins Toastmasters-Mentoring-Programm“ aus Toastmaster Pathways habe ich die folgenden Kernaufgaben für Mentoren und Mentees entnommen – eine Art „Job-Description“ für die Rollen.

Aufgaben für Mentoren (von jungen Mentees):

Vorbereitung: Redeskript/Folien/Material durchsehen und Feedback geben
– Skript in Stichpunkten mit max. 5 Worten
– Max. fünf Punkte pro Karte
– Keine Schriftsprache

Rede trainieren: Reden mindestens 5-mal halten
– 
Die Rede wird mehrfach gehalten, live oder per Video-Chat
– Idealerweise auf Video aufnehmen und gemeinsam ansehen
– Feedback geben, auf 3-5 Punkte konzentrieren
– 1-2 Punkte zum Ändern für die nächste Runde festlegen

Feedbackregeln immer einhalten
– Konstruktiv, in die Zukunft gewandt
– „Ich“ statt „man“
– „Du“ statt „Er/Sie“

Aufgaben für Mentees:

Vorbereitung
– Die Rede mit Redeskript/Folien/Material vorbereiten
– 
Feedback zum Redeskript/Folien/Material einholen
– Vor dem Treffen die Rede mehrfach vor dem Spiegel halten

Reden trainieren
– Die Rede möglichst locker und gleichzeitig aufmerksam halten

Feedbackregeln immer einhalten
– Feedback aufmerksam aufnehmen (und weiteratmen 😊)
– Feedback nicht kommentieren und dich nicht rechtfertigen
– Nicht erklären, warum du die Dinge so gemacht hast
– Nur erklären, wie du die Dinge demnächst machst
– Kommentare zum Feedback am Ende des Treffens

Sushant und Monika haben ein neues Mentoren-Leitungsteam gegründet, dass vom Vorstand (Thomas und Prunthani) unterstütz wird. Wenn ihr noch kein Jahr bei Toastmasters seid und noch keinen Mentor habt, dann unterstützt die beiden und schickt ihnen noch heute eine E-Mail. Macht gerne ein bis drei Vorschläge, wenn ihr euch als Mentor vorstellen könnt. Die beiden werden eure E-Mails verarbeiten und in den nächsten Wochen Mentoren vorschlagen/zuweisen.

Nikolai